Hoffnung für die Kirche

Am Samstag, den 2. März, machte sich ein Bus mit rund 50 Personen aus dem Bistum Regensburg auf den Weg nach Augsburg, um das dortige Gebetshaus zu besuchen. Unterwegs machten wir Halt in Friedberg, um in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh Gottesdienst zu feiern. Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Ziel, an dem wir von Eva-Maria Schorer in Empfang genommen wurden. Kurz darauf traf Dr. Johannes Hartl, Gründer und Leiter des Gebetshauses, ein und nahm sich für uns eine Stunde Zeit. Beide gaben uns tiefe Einblicke in das Gebetshaus und bereiteten uns so einen Tag voller Hoffnung.

Gruppenfoto vor der Wallfahrtskirche Friedberg

In einer Zeit der Not – und ich meine nicht die Not in der Welt mit ihrer ungleichen Verteilung des Reichtums, den Umweltproblemen oder Kriegen, sondern die Not in der Kirche, wo Kirchenbänke immer leerer werden, jedes Jahr Hunderttausende austreten, Gebäude zunehmend leer stehen, Pfarreien zusammengelegt werden, Orden überaltern und Berufungen rapide zurück gehen -, in einer Zeit vor allem geistiger Not, die dieser Entwicklung zugrunde liegt, gibt es eine Bewegung, die es schafft, Menschen zum gemeinsamen Gebet zu versammeln: Die Gebetshausbewegung. Ihr Herzensanliegen ist es, dies rund um die Uhr zu tun. Damit lässt sie das wieder aufleben, was es über Jahrhunderte in der Kirchengeschichte immer gab: 24/7-Gebet, also 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche zu beten.

In Augsburg trafen wir den Gründer und Leiter des wohl bekanntesten Gebetshauses in Deutschland: Dr. Johannes Hartl, promovierter katholischer Theologe, verheiratet und Vater von vier Kindern. Seit 2011 gibt es hier dieses immer-währende 24/7-Gebet. Begonnen hatte die Idee 2005 und seit dieser Zeit, hält Hartl für seine Mitstreiter einmal in der Woche einen Vortrag über Gebet und andere Glaubensthemen, eine Art Mitarbeiterschulung, die schon bald ins Internet gestreamt wurde. Diese DonnerstagAbende, die mit Lobpreis beginnen, ziehen immer mehr Besucher an. Aus diesem Grund gab uns Hartl den Rat, besser nicht zu solch einem Abend zu kommen, da das Haus inzwischen regelmäßig überfüllt sei.

Empfang und Gebetshaus-Café

Was ist an dieser Initiative so anders? Was macht sie so anziehend, gerade auch für junge Menschen, die die Mehrzahl der Besucher stellen? Was ist der Grund für dieses Phänomen, auf das auch die kath. Amtskirche aufmerksam wurde und sich zu einer offiziellen Stellungnahme veranlasst sah? Es ist die klare Fokussierung auf den Gründer des Christentums, auf Jesus selbst und Seine Liebe, die Er zu jeden einzelnen Menschen hat. Hartl schafft es, die Gottesfrage in den Mittelpunkt zu stellen und davon ausgehend alle anderen Glaubensfragen zu beleuchten. Es gibt kaum ein Thema, über das er nicht schon gesprochen hat. Er scheut es nicht, auch die heißen Eisen anzufassen, erfährt dadurch auch so manche Kritik. Dazu sagt er, dass er nicht gefallen will. Auf das Lob der Menschen sei er nicht angewiesen. So bleibe er unabhängig von Anerkennung und Zustimmung.

Katrin Oppitz (1. Sprecherin der CE Regensburg ), Dr. Johannes Hartl (Gebetshausleiter),
Werner Spitzl (Vorsitzender des Katholischen Evangelisationswerkes Regensburg)

Der aus dem Landkreis Deggendorf stammende Hartl hat ein Herz für die Einheit der Christen. Darin wurde er stark von Pfr. Gustav Krämer geprägt. Bei ihm und Barbara Busowietz war er als Jugendlicher oft gewesen. Ein Hauptgrund der zur Kirchenspaltung führte, war die Frage Luthers, wie der Mensch vor Gott gerechtfertigt wird: Durch Werke oder durch Glaube. Ein Gespräch zwischen Luther und dem röm. Kardinallegaten Cajetan fand in Augsburg statt. Diese ungeklärte Streitfrage führte im 16. Jahrhundert zur Kirchenspaltung. Ein Grund mehr für Hartl, das Gebetshaus gerade dort zu errichten. Im Herbst 2019 ist Hartl als Sprecher zur offiziellen 20-jährigen Jubiläumsfeier der Einigung der Katholischen und Evangelischen Kirche im Jahr 1999 in dieser Frage (Rechtfertigungslehre) eingeladen.

Für ihn sind die noch bestehenden Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen nicht das Problem. Einheit heißt für ihn nicht, in allem gleich denken zu müssen. Für ihn heißt Einheit, sich in Liebe zu begegnen, um in Dankbarkeit auf die vielen Gemeinsamkeiten zu blicken und sie zu leben. Das eigentliche Problem sieht er vielmehr in einer Welt, die Jesus nicht kennt und nicht weiß, was Er für jeden Einzelnen getan hat. Um das zu ändern hat er auch zugesagt, für eine Reportage des ZDF über das Christentum in Deutschland zur Verfügung zu stehen, die an Ostern ausgestrahlt werden wird.

Als Quelle seiner Leidenschaft für das 24/7-Gebet nennt uns Hartl drei Gründe. Erstens: Gott ist es einfach wert immer angebetet zu werden! Gott steht für ihn im Mittelpunkt. Um zu zeigen, woher die Aussage ‚Der Mensch steht im Mittelpunkt‘ stammt, vervollständigte Hartl den Satz: ‚Der Mensch steht im Mittelpunkt (aller Bemühungen) der sozialistischen Gesellschaft (und ihres Staates)‘ [Anm.: Zu finden in Artikel 2 der DDR-Verfassung von 1974.]. Der zweite Grund für das 24/7-Gebet ist für ihn der Glaube an die verändernde Kraft des Gebetes. Es verändert zunächst uns selbst, dann aber auch unsere Umgebung. Und drittens brauche es Orte, wo Gebet erfahrbar und erlernbar wird. Dazu wird bei den verschiedenen Gebetsformaten Musik eingesetzt: Wir erlebten bei unseren Besuch, dass Musik das Herz des Menschen öffnet; sie hilft zur Ruhe zu kommen, gerade wenn man Stille nicht so sehr gewohnt ist. Sich wiederholende Textpassagen transportieren Wahrheiten vom Verstand ins Herz. Der in goldenen Farbtönen und mit filigranen weißen Wanddekorationselementen gestaltete Gebetsraum trägt ein Übriges dazu bei, um in die Gegenwart Gottes zu kommen und Geschmack am Gebet zu finden.

Offensichtlich schafft es das Gebetshaus Augsburg den Menschen in Zeiten geistiger Armut Nahrung für ihre Seelen zu geben. Es scheint gute Nahrung zu sein, was sich an der Größe des Projekts zeigt: Über 40 voll-zeitliche Mitarbeiter, der Kauf und aufwendige Umbau des Gebäudes, ein Erweiterungsbau mit Gästehaus und Kapelle wurden bzw. werden rein über Spender finanziert. Dabei wird nicht gespart: Wie früher Gotteshäuser künstlerisch anspruchsvoll gestaltet wurden, so ist auch dieses Haus aufwendig und bis ins Detail schön geworden, denn es will ein Haus zur Ehre Gottes sein, der das Schöne ist und liebt.

Es war beeindruckend all das einmal selbst sehen zu können, mit Johannes Hartl und Eva-Maria Schorer zu sprechen und ihre Begeisterung zu erleben. Mit großer Dankbarkeit, dass Gott in unserer Kirche etwas Neues schenkt, machten wir uns am Abend wieder auf den Heimweg.

Mitorganisiert wurde die Fahrt von der CE Regensburg, herzlichen Dank, ebenso an Pfarrer Magerl und Pfarrvikar Hochheimer für die Feier der Hl. Messe in Friedberg und natürlich an das Gebetshaus Augsburg für Eure Gastfreundschaft und Euren wertvollen Dienst!

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