Mit dem Segen aus dem Epheserbrief (1, 17-19) begann Pater Johannes Rothärmel CP aus dem Passionistenkloster in München-Passing seinen Vortrag zum Thema „Zieht die Rüstung Gottes an“ (Eph 6,11). Hier folgt eine Zusammenfassung seines Vortrages, den er vor rund 70 Teilnehmern am 28. Februar im Pfarrsaal der Pfarrei Heiliger Geist in Regensburg gehalten hat und in dem er u.a. zwei Voraussetzungen nannte, um im geistigen Kampf bestehen und so das Reich Gottes nach vorne bringen zu können.
u.a. Voraussetzungen um im geistigen Kampf bestehen und das Reich Gottes nach vorne bringen zu können.
Die o.g. Epheserstelle im Wortlaut: Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke. (Eph 1, 17-19)
Voraussetzung, um eine Waffenrüstung tragen zu können
Bevor wir uns rüsten, so P. Johannes, müssen wir zuerst begreifen, wie wenig wir vom Glauben bisher noch begriffen haben. ‚Ich weiß, dass ich nichts weiß.‘ (Sokrates) – das ist der höchste Satz der Weisheitslehre. Wenn wir nicht in dieser Armut stehen, wenn wir unsere Bedürftigkeit nicht sehen, können wir nicht weiterwachsen. Stellen wir uns diese selbstkritische Frage: Wie lange sind wir schon in der Charismatischen Erneuerung und wie sehr haben wir uns in den Gaben und im Glauben weiterentwickelt?! Es geht um Erneuerung! Wir sollten uns nicht von den Umständen in der Welt ausbremsen lassen, sondern sie sollen uns nach vorne bringen! Auch wenn wir heutzutage unzählige gute Podcasts mit Glaubensinformationen hören sowie den ganzen Tag Radio Horeb empfangen können, aber der Glaube ist keine Frage des Wissens. Er ist eine Frage der Faszination, des persönlichen Ergriffenseins. Entscheidend ist, dass er in meinem Herzen lebendig wird. Dabei ist nicht alles gleich wichtig, sondern das, was für mich aktuell von Gott her dran ist. Die eigene Armut zu erkennen und anzuerkennen und so vor den Herrn hinzutreten ist entscheidend, nicht irgendwelche „olympische Anstrengungen“.
An diesem Punkt fragte P. Johannes, ob es hier überhaupt noch um die Waffenrüstung geht oder sich nicht eher um eine Themaverfehlung handelt. Nein, war seine Antwort, das Erkennen der eigenen Armut und gleichzeitig des Reichtums Gottes ist die Unterwäsche! Unter einer Waffenrüstung kann es in der Sonne ganz schön warm werden. Wenn die richtige Unterwäsche fehlt, kann es richtig unangenehm werden.
Der größte Heilige der katholischen Kirche war der hl. Franziskus. Er ist am 3.10.1226 heimgegangen; geboren wurde er 1182. Am 10.1.2026 verkündete Papst Leo ein neues Jubeljahr: Ein Jahr des hl. Franziskus. Dies ist ein prophetischer Akt des Papstes. Franziskus gehört deshalb zu den größten Heiligen der Kirche, weil er Christus so ähnlich wurde. Wie Jesus lebte auch er in vollkommener Armut. Die ‚heilige Armut‘ war seine Herrin, seine Donna. Auf dieser Grundlage bewirkten er und seine Minderbrüder schließlich eine Erneuerung der Kirche. Franziskus erkannte, dass wir selbst viel ärmer werden müssen, um die Reichtümer, von dem Paulus im Epheserbrief schreibt, genießen zu können. Aber was, wenn wir das noch nicht können? Dann sollen wir darum beten!
Gebet
Vater der Herrlichkeit, Gott unseres Herrn Jesus Christus, gib mir den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ich Jesus Christus erkenne! Er erleuchte die Augen meines Herzens, damit ich verstehe, zu welcher Hoffnung ich durch Ihn berufen bin. Lass mich erkennen, welchen Reichtum die Herrlichkeit Seines Erbes den Geheiligten schenkt, und wie überragend groß Seine Macht sich an mir, Seinen Gläubigen, erweist, durch das Wirken Seiner Kraft und Stärke! Amen.
Erkennen – Ergreifen – Eins werden!
Wir wissen schon so viel über den Glauben, aber wir erkennen viel zu wenig. Machen wir uns mehr eins mit dem, was wir wissen! Wenn wir es mehr ergreifen, schenkt Gott uns Kraft und Stärke. Denn Er will etwas Neues gebären. Wir leben in einer Zeit voller Erwartungen. Deshalb sollen wir das negative Reden über die Umstände ablegen, sonst prophezeien wir ständig das Schlechte über unser Leben. Klar ist: Die Welt ist gebrochen und die Menschen sind Sünder. Sie sind innerlich verwundet, gebrochen und bedürftig. Wir aber sollen den negativen Blick ablegen und den Mantel eines Propheten Gottes anziehen.
Mit dieser Aussage beendete P. Johannes seine Einleitung. Er bezeichnete das Anerkennen der eigenen Armut als die Unterwäsche für das Tragen der Waffenrüstung. Er verwies noch einmal auf die demütige und arme Bitte, die wir an Gott richten sollen. Das Programm Gottes sei, so Pater Johannes, dass er seine Macht und Herrlichkeit in den Armen und Schwachen zeigen möchte. Dazu zeigte uns P. Johannes diesen 100-Sekunden-Comic, der die Bibel als ein Buch voller schwacher und unvollkommener Menschen zeigt.
Voraussetzung, um im Kampf bestehen zu können
Wir sind nun bei Eph 6, 10 ff dem Abschnitt, der in der Einheitsübersetzung mit ‚Aufruf zum Kampf‘ überschrieben ist, angekommen. Nachdem also Paulus seine Hörer in die richtige Position gebracht hat, nachdem er ihnen die richtige Unterwäsche gegeben hat, hat er sie zum Kampf aufgerufen. Gegen wen führe ich meinen Kampf? Zu oft noch gegen Menschen. Ich muss mir die Frage stellen: Gegen wen hege ich Groll und bin ich unvergeben? Solange ich an der Anklage gegen Menschen festhalte [Anm. des Autors: vielleicht sogar gegen mich selbst], werde ich keinen geistlichen Kampf erfolgreich führen können! Dabei ist Unrecht Gott nicht egal – Er wird sich darum kümmern –, aber Jesus zeigt uns den Weg der Vergebung. Ein Christ hat allen zu vergeben, weil auch ihm alles vergeben ist. Ohne eine Kultur der Barmherzigkeit werden wir den geistlichen Kampf nicht bestehen können.
Die Bestandteile der Waffenrüstung
Der Gürtel der Wahrheit (vgl. Eph 10,14a): er gehört noch zur Unterwäsche, denn er hält sie zusammen. Es geht um die Wahrheit über Gott und über mich: Wer ist Gott? Wer bin ich? [Anm. des Autors: Bin ich von Gott geheiligt und sündige hin und wieder, oder bin ich ein Sünder, dem ab und zu etwas Gutes gelingt?]. Die Antworten darauf bestimmen meinen Stand, um nicht beim Kampf ins Wanken zu geraten oder gar zu Fall zu kommen.
Der Panzer der Gerechtigkeit (vgl. Eph 10,14b). Was ist Gerechtigkeit? Jeder ist einzigartig! Jedem soll das zugeteilt werden, was ihm gemäß ist. Dies ist in der lateinischen Redewendung „Suum cuique” (zu Deutsch: „Jedem das Seine”) zusammengefasst und bedeutet nicht „Jedem das Gleiche geben”. Diese Aussage wurde im Nationalsozialismus missbraucht, indem sie an das Tor des KZs in Buchenwald geschrieben wurde.

Die Strategie des Bösen besteht stets darin, das Gute zu verdrehen und zu pervertieren. Wir sollen nicht über andere urteilen und uns nicht vergleichen, denn „Jedes Dach hat sein Ach”. Wir können nicht in die Menschen schauen und wissen, was in ihnen ist. Wir sollten uns nicht täuschen: Jeder hat Schweres im Leben, ganz individuell vom Herrn seiner Kraft zugemessen.
Die Schuhe der Bereitschaft, für das Evangelium zu kämpfen (vgl. Eph 10,15); Videoclip: Die Fischer, https://www.youtube.com/watch?v=YXg1hT92EgM). Gerade in unseren Tagen segnet Gott jede Bemühung, das Evangelium auszubreiten. Das Evangelium, ja die gesamte Heilige Schrift, ist ziemlich alt. Das gilt auch für die Sonne. Sie ist ebenfalls ziemlich alt, aber immer noch ziemlich heiß. So ist es auch mit dem Evangelium! Voraussetzung, für diese alten Wahrheiten einzutreten ist, dass man selbst von der Schönheit des Evangeliums begeistert ist und sie mit anderen teilen möchte. Was aber, wenn mir die Begeisterung fehlt? Wieder sind wir beim Beten. Ich sollte Gott flehentlich bitten, mir diese Begeisterung zu schenken. So wie der blinde Bartimäus Jesus anflehte. Es geht darum, mit der richtigen Haltung zu beten, nämlich aus einer Haltung der Armut heraus!
Vor allem greift zum Schild des Glaubens! (Eph 10, 16). Können wir den Lügner identifizieren, wenn er in unsere Gedanken spricht und uns anlügt darüber, wer Gott ist, wer wir sind und was das für Folgen hat? Was bedeutet das Evangelium für die Welt? Mit dem Schild des Glaubens können wir alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen und nicht nur ablenken! Bitten wir Gott, dass er uns da stark macht!
Und nehmt den Helm des Heils! (Eph 10, 17a). Es geht darum, in dem uns zugesagten Heil sicher zu sein und keinen anderen Gedanken Raum zu geben. Ein Helm schützt den Kopf und somit unsere Gedanken.
Das Schwert des Geistes ist das Wort Gottes. (Eph 10, 17b). Deshalb ist es in kritischen Situationen so wichtig, passende Bibelstellen parat zu haben.
Mit dem Vers ‚Hört nicht auf zu beten und zu flehen!‘ (Eph 6,18) schloss P. Johannes seine Ausführungen und kehrte darauf zurück, womit er den Vortrag begonnen hatte, nämlich dass wir im Gebet erlangen dürfen, was wir brauchen, um gute, gerüstete Ritter Gottes zu sein.
Abschluss des Tages

Mit einem persönlichen Segensgebet und der Heiligen Messe endete dieser Einkehrtag, der den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Von P. Johannes, unserem langjährigen Begleiter und Ausrüster, durften wir wieder neue, ermutigende und lehrreiche Impulse empfangen. Sie haben uns in dieser verunsichernden und beängstigenden Zeit gestärkt und zugerüstet, sodass wir nun mit erhobenem Haupt weitergehen können!
Autor: Michael Hochmuth / Irene Seitz
Empfehlung:
Diesjähriges Hirtenwort von Bischof Rudolf Voderholzer mit Bezug auf den Heiligen Franziskus:
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