Ein Zeugnis zu unserer Lisieuxfahrt

Freundinen
Freundinnen

Ich habe an der Lisieuxfahrt teilgenommen, weil ich die Hl. Therese über ihre Autobiografie „Geschichte einer Seele“ kennen gelernt habe. Mich hat fasziniert, dass sie ihre Schwachheit als Pluspunkt sieht und aus sich selbst heraus nichts kann. Schon immer ahnte ich es bei mir irgendwie, aber ich hätte nie gedacht, dass die eigene Schwäche von Vorteil sein könnte. Jedenfalls bin ich mitgefahren, ohne große Erwartungen.

Bei der Vorstellungsrunde erzählte ich den anderen Wall­fahrt­s­teilnehmern, dass ich Therese mittlerweile als Schwes­ter und Freundin liebgewonnen habe, dass es aber nicht Liebe auf den ersten, sondern eher auf den zweiten oder dritten Blick war. Als ich Tage später in Lisieux in der Basi­lika stand und schon beim Hineinge­hen mein Blick auf einen der Seitenaltäre wanderte, war ich etwas erstaunt, um nicht zu sagen tief berührt, als ich fol­gende Worte auf dem polni­schen Altar las, die von Therese stammten: „Ich bin deine Schwester und Freundin, ich werde über dich wa­chen“. Es war wie eine Antwort auf das, was ich in ihr sah, Schwester und Freundin! Sie nahm meine Freundschaft an und war mir sogar Schwester, mir, die als Einzelkind auf­wuchs und oft bis heute noch mit Ein­samkeit zu kämpfen habe, und sie wacht sogar über mein Leben!

‚Ich bin Deine Freundin und Schwester. Ich werde über Dich wachen!‘

In Lisieux kaufte ich mir das Buch: „Ich gehe ins Leben ein. Letzte Gespräche der Heiligen von Lisieux“. Es handelt sich dabei um Aufzeichnungen ihrer Schwestern auf dem Sterbe­bett Thereses. Angefangen zu lesen hatte ich schon während der Fahrt und beendet habe ich das Buch zu Hause. Auch hier war der Segen bzw. das Wirken der Heiligen sofort zu spüren. Gerade durch die Heiligenverehrung in Lisieux und durch das Lesen dieses Buches wurde mir wirklich bewusst, dass es nach dem Tod nicht vorbei ist, sondern im Gegenteil, wir erst dort zur völligen Reife unse­res Daseins gelangen. Ich muss zugeben, auch wenn ich als Christin an ein Leben nach dem Tod vom Verstand her glaubte, hatte ich es den­noch nicht begriffen. Auch hier hat mir Therese geholfen, mir ein wenig die Angst vorm Tod zu nehmen und besser zu verstehen, wie diese geistliche Welt neben der uns sichtbaren Welt existiert.

Eine zweite Erkenntnis wurde mir geschenkt, als ich auf ein paar bestimmte Zeilen in diesem Buch stieß. Therese rich­tete sie an ihre Schwester Celine, die sich immer wieder Sorgen machte, ob sie auch so des Himmels würdig war wie ihre Schwester. „Wir machen unser kleines Geschäft zu­sammen“, sagte Therese, „ich werde schon sehen, dass sie den Weizen nicht ganz allein mahlen können, also werde ich Sie holen kommen…“ Therese sprach zu Celine immer wieder davon, dass sie wie zwei Geschäftspartner seien: „Was tut´s, wenn der eine unfähig ist? Solange sie sich nicht voneinander tren­nen, werden sie eines Tages an dem­selben Gewinn teilha­ben“. Diese Worte sind vermutlich nicht nur für Celine be­stimmt, sondern für jeden, der sich nicht auf seine Verdienste berufen kann und vielleicht auch hin und wieder zweifelt, ob er den Weg zur Heiligkeit er­folgreich vollenden werde. Ich bin froh, auf dieser Lisieux­fahrt nicht nur eine Freundin und Schwester gewonnen zu haben, sondern zugleich eine so erfolgreiche Geschäftspartnerin!

Jessica Proneth